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KI · ca. 2 Min. Lesezeit

Microsoft 365 Copilot in der Anwaltskanzlei: Erst Rechte prüfen, dann KI nutzen

Microsoft 365 Copilot kann bestehende Arbeitsabläufe mit KI-Funktionen ergänzen. Bevor eine Kanzlei Lizenzen kauft, sollten jedoch die Datenstruktur und der tatsächliche Nutzen geklärt sein.

Fachinformationen, keine individuelle Rechtsberatung.

Warum Copilot für Kanzleien interessant ist

Viele Kanzleien arbeiten bereits mit Word, Outlook und Microsoft 365. Cloud-KI kann dort ansetzen, wo Dokumente vorbereitet, Informationen geordnet oder Besprechungen zusammengefasst werden. Der Vorteil liegt weniger in einem einzelnen Chatfenster als in der Einbettung in bekannte Werkzeuge. Der tatsächliche Funktionsumfang hängt von Lizenz, Microsoft-Produkt und Konfiguration ab.

Wer Copilot einsetzen möchte, sollte daher zunächst die konkreten Anwendungsfälle bestimmen. Geht es um interne Besprechungsnotizen? Um die Strukturierung nicht vertraulicher Materialien? Um die Erstellung erster Textentwürfe aus bereits freigegebenen Inhalten? Erst wenn klar ist, welche Aufgabe schneller oder besser erledigt werden soll, lässt sich der wirtschaftliche Nutzen bewerten.

Zugriffsrechte vor der Einführung ordnen

Ein wichtiges technisches Thema sind bestehende SharePoint- und OneDrive-Freigaben. Wenn Dokumente zu breit freigegeben sind, kann eine intelligente Such- und Assistenzfunktion diese organisatorischen Schwachstellen sichtbarer machen. Deshalb sollten Berechtigungen, Gruppen, Ablagestrukturen und Datenklassifizierung vor dem breiten Einsatz geprüft werden. Der Grundsatz ist einfach: Eine Anwendung soll für einen Benutzer nur auf Informationen zugreifen dürfen, für die dieser Benutzer berechtigt ist.

Auch externe Freigabelinks, freigegebene Postfächer und die Trennung von Mandaten brauchen Aufmerksamkeit. Ein Einführungsprojekt darf nicht bei der Aktivierung einer Lizenz enden.

Mandatsgeheimnisse und Cloud-KI

Anwälte müssen die Vertraulichkeit von Mandatsinhalten besonders beachten. Ob ein bestimmter Cloud-KI-Dienst mit konkreten Mandatsdaten genutzt werden darf, ergibt sich nicht allein aus einer Anbieterbroschüre. Vertragsbedingungen, Verarbeitung, Unterauftragnehmer, technische Schutzmaßnahmen und das berufsrechtliche Umfeld sind zu bewerten. Die Bundesrechtsanwaltskammer hat hierzu Orientierungshinweise zum KI-Einsatz veröffentlicht.

Darum sollte es für den Alltag klare Regeln geben, welche Informationen eingegeben werden dürfen, welche Ausgaben kontrolliert werden müssen und welche Aufgaben ausschließlich durch verantwortliche Personen erledigt werden.

Cloud-KI und lokale KI kombinieren

Es muss keine Entweder-oder-Entscheidung sein. Copilot kann für freigegebene Microsoft-365-Arbeitsabläufe sinnvoll sein, während eine lokale KI getrennt bestimmte besonders vertrauliche Dokumentenbestaende verarbeitet. Beide Modelle brauchen gute Rechteverwaltung, aber unterschiedliche Betriebs- und Kostenkonzepte.

Einführung schrittweise gestalten

Starten Sie mit wenigen Pilotnutzern und klaren Anwendungsfällen. Messen Sie Nutzen und Fehlerquellen im Arbeitsalltag, dokumentieren Sie Vorgaben für vertrauliche Daten und führen Sie bei Bedarf kurze Mitarbeiterschulungen durch. Erst danach kann entschieden werden, ob weitere Lizenzen einen Mehrwert bringen.

Fazit: Microsoft 365 Copilot wird nicht dadurch zum erfolgreichen Kanzleiwerkzeug, dass möglichst viele Lizenzen gekauft werden. Wertvoll ist ein kontrollierter Start mit passenden Berechtigungen, klarer Governance und realistischen Erwartungen.

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